Christoph Spies – Geschäftsführer von W. Spies & Co. GmbH Wein & Spirituosen

Spies

Herr Spies, die obligatorische Frage zuerst: Was ist ihr aktueller Lieblingswein?
Ich habe keinen aktuellen Lieblingswein. Ich lebe in einer dauerhaften Liebesbeziehung zum deutschen Riesling. Tatsächlich habe ich meinen kompletten (privaten) Weinkeller von ehemals 30% Weißwein und 70% Rotwein mit den Präferenzen umgekehrt. Von den nun 70% Weißweinen sind 90% Rieslinge der Mosel, der Saar, der Ruwer. Einige Vertreter aus Rheinhessen und der Pfalz. Darunter befinden sich zahlreiche feinherbe, fruchtsüße und restsüße Weine – zu trinken am liebsten gereift!

Welches sind die bei der Kundschaft beliebtesten Weine in ihrem Sortiment?
Wir haben immer noch eine ungebrochen hohe Nachfrage nach deutschem Wein. Interessanterweise ist eine steigende Nachfrage nach deutschem Rotwein zu verzeichnen. Getreu dem Motto „Wir können auch ROT“, stehen die heimischen Cuvées und Spätburgunder hoch im Kurs. Natürlich bedienen wir nach wie vor die treuen Kunden der klassischen Anbaugebiete. Schließlich liegt eine unserer Kernkompetenzen in Bordeaux.

Viele Menschen trinken gerne Wein, haben aber Schwierigkeiten mit der komplexen Weinlehre. Was raten Sie Einsteigern in das Thema?
Der Einstieg in das Thema Wein ist einFACH: gute Händler mit fundiertem FACHlichem Wissen sind immer hilfreich, um den Zugang zu Rebsorten, Anbaugebieten und Geschmacksrichtungen zu finden. Dabei ist sehr viel Erfahrung mit Einsteigern die Voraussetzung für kompetente Beratung.
Hilfreich sind außerdem lockere Weinrunden im Freundeskreis: thematisieren, treffen, trinken. Wer sich dem Thema Wein professioneller annähern möchte, kann auf Seminare zurückgreifen und sich bei den zahlreichen Angeboten beraten lassen. Da aber Theorie oft trocken ist, sollte das Trinken nicht vergessen werden.

Lassen Sie sich im Restaurant Weine empfehlen?
Selbstverständlich lasse ich mich auch im Restaurant beraten. Vorwiegend gerne dort, wo ich Weinkompetenz erwarten darf. Natürlich habe ich schon Einiges probieren dürfen und freue mich so manches Mal auf Bewährtes. Aber ich lasse mich immer wieder gerne überraschen und probiere auch mir Unbekanntes. Nur so entdecke ich und kann meinen vinophilen Horizont erweitern. Außerdem durchlebe ich immer wieder gewisse Phasen, in denen ich verstärkt Weine einer Region im Fokus habe. Ich denke an Urlaubsreisen und freue mich dort IMMER über regionale Empfehlungen.

Wann haben Sie zuletzt in unserer Region die perfekte Symbiose zwischen Essen und Wein erlebt?
Zuhause schaffe ich es öfter. Spaß beiseite: Wenn ich jetzt meine große Leidenschaft zum Moselriesling verkünde, muss ich natürlich meinen Freund Daniel Kiowski von Victors Gourmet Restaurant Schloss Berg nennen, der mich immer wieder mit perfekten Kombinationen überrascht. Aber dieses Können ist nicht ausschließlich der Sterne-Gastronomie vorbehalten. Wir haben viele sehr engagierte Restaurants mit hoher Weinaffinität in unserer Region. Dabei stehen wir immer beratend und begleitend zur Seite. Viele Restaurants verstehen, wie wichtig die Themen Wein und Essen sind. Neben Kochkompetenz und Können am Herd ist heutzutage Weinkompetenz die wichtigste Ergänzung bei der Arbeit mit dem Gast.

Sie sind zu einer Party eingeladen und sollen etwas selbst Gekochtes mitbringen. Worauf dürfen sich die Partygäste freuen?

Wer mich kennt (oder auch sieht), der weiß, wie gerne ich esse und trinke. Und natürlich koche ich für mein Leben gerne. Auf eine Party würde ich wohl meine selbst gemachte Kräuterbutter mitbringen, einen gebeizten Lachs oder einer meiner Favoriten: Handgeschnittenes Kalbstatar.

Sie feiern selbst Geburtstag und wollen Ihre Gäste zu einer Weinprobe einladen. Wo geht die Reise hin?

Ich bin ein Freund der Diversität und möchte meinen Gästen eine Auswahl bieten. Daher stelle ich gerne die Reise in den Vordergrund: Ein Wein-Buffet mit Großflaschen verschiedenster Provenienzen ist die Ideallösung für die große Feier. Im kleineren Kreise koche ich gerne ein entsprechendes Menü und serviere korrespondierende Weine. Beim Weißen ausschließlich deutsch, beim Roten bin ich flexibel. Generell lautet mein Credo: Fest(e) feiern, großzügig trinken und sehr gut essen.

Beschreiben Sie das Fibel!Gastro Netzwerk, als ob es ein Wein wäre:
Das hinter Fibel!Gastro stehende Konzept ist richtig genial. Deswegen sind wir auch schon eine Zeitlang dabei. Meine Umschreibung: In der Nase erstaunlich frisch, weiße Frühlingsblüher, ein Potpourri heimischer Früchte. Komplexe Aromatik, vielschichtig, dazu eine feine Würze und eine bestechende Mineralität. Eindeutiges Schieferterroir, reife Töne und dennoch leicht, fast spielerisch. Am Gaumen die perfekte Symbiose aus Säure, jugendlichem Fruchtspiel und reifer Aromatik, die den Spannungsbogen setzt. Und zum Finale dieser Schmelz und der nicht enden wollende strahlende Glanz eines heimischen Gewächses: Das ist Mosel, das sind WIR!

Interview: Markus Brixius Bild: Privat