Dieter Körner – Biersommelier

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In diesem Jahr feiern wir 500 Jahre Reinheitsgebot. Zwar ist der Bierkonsum hierzulande rückläufig, aber Deutschland ist noch immer der mit Abstand wichtigste Biermarkt.

Doch die Gewohnheiten haben sich geändert. Während die Konsumenten in den vergangen Jahrzehnten eher auf ein Stammbier geschworen haben, neigt man heute zum experiementieren. Hausbrauereien und Craftbiere stehen hoch im Trend. Gemeinsam mit Diplom-Biersommelier Dieter Körner werden in der Baker Street Saarbrücken sechs verschiedene Biere aus Deutschland verkostet, der Profi stellt die verschiedenen Bierstile vor und erklärt die Zusammenhänge zwischen Reinheitsgebot, Hopfen, Malz, Wasser und Hefe. Außerdem geht es um das Thema „Foodparing“, also welche Biere besonders gut zu welcher Speise passen.

Was genau ist ein Biersommelier?
Ein Berater in allen Fragen zum Thema Bier. Erstellung von Bierkarten, Planung von Veranstaltungen, Schulungen, Biertastings.

Was war für Sie der Auslöser, sich so intensiv mit dem Thema „Bier“ zu beschäftigen und was macht den Reiz des Bieres aus (jenseits seiner Wirkung auf den Organismus)?
Ich habe eine Möglichkeit gesucht, mich selbstständig zu machen und was liegt dann näher, als es mit einer Leidenschaft zu tun.

Wenn wir mal kurz an Wein denken. Inwiefern kann man die geschmackliche Vielfalt von Wein mit der von Bier vergleichen?
Die Vielfalt beim Bier ist viel größer. Durch die Zutaten Hopfen, Malz und Hefe entstehen mehr Aromen wie beim Wein, der nur aus Trauben gemacht wird. Beim Wein haben wir 2000-3000 Inhaltsstoffe und beim Bier sind es 6000-7000. Dazu kommt die Kohlensäure die das Ganze noch vielfältiger macht.

Wie trinkt man Bier „richtig“, um geschmackliche Nuancen herauszuschmecken? Üblicherweise nimmt man ja eher einen kräftigen Schluck und kümmert sich weniger um geschmackliche Details.
Es kommt erst mal auf das Bier an, auf das richtige Glas und auch auf die Temperatur. Es macht hier keinen Unterschied zu Wein oder anderen Getränken.

Im Saarland gibt es ja gewissermaßen ein offizielles Haus- und Hofbier. Wie schwer oder wie leicht ist es, den Saarländern bei diesem Thema neue Horizonte zu eröffnen?
Ich trenne den klassischen Biertrinker und den Nicht-Biertrinker. Dem Klassischen kann man neue Biere zu besonderen Anlässen anbieten, nicht zu jedem Essen passt ein Pils bzw. passen andere Biere besser. Für den Nicht-Biertrinker ist das Pils oft nicht der richtige Einstieg, hier sind aromatischere oder süßere Biere die bessere Wahl.

Unser kleines Bundesland verfügt ja mittlerweile über eine stattliche Anzahl von Brauhäusern, Hausbrauereien und Craftbier Produzenten. Wie gut kann das Saarland als Bierland mit
anderen Regionen mithalten?

Im Saarland kommen Trends oft etwas später oder gar nicht an. In anderen Regionen gibt es mehr oder weniger große Hot Spots.

Macht Bier dick?
Nein, aber Appetit. Bier hat weniger Kalorien als Apfelschorle oder Milch. Der Hopfen im Bier macht allerdings Appetit der uns dann zum Essen verleitet.

Ein kleiner Blick über die Grenzen, welche Länder produzieren auch gute Biere?
Bier wird in fast allen Ländern der Erde gebraut, je nach Region mit anderen Rohstoffen, in China mit Reis, in den USA oft mit Mais oder in Belgien mit Früchten. Dies hat nun nicht wirklich etwas mit der Qualität zu tun sondern mit dem Geschmack.

Was ist überhaupt ein gutes Bier?
Wenn es schmeckt.

Die obligatorische Frage: Was ist ihar Lieblingsbier?
Karlsberg Ur Pils und bayerisch Nizza Clubbier.

Was sind aktuell die heißesten Biertrends?
Craftbiere in allen möglichen Ausführungen, meist mit mehreren Hopfen und Malzsorten.

Was halten Sie von Mischbieren?
Da sie meistens weniger, oder keinen Alkohol haben, passen sie zum Autofahren und liegen daher im Trend. So lange sie nicht süß sind trinke ich ab und zu auch mal eins.

Bier wird gerne zu deftigen Speisen getrunken. Gibt es auch überraschende Kombinationen?
Weizenbier zum Salat, im Pils gegarter Fisch / Schwarzbier mit Käse Bockbier mit Schokolade.

Interview: Markus Brixius Bild: privat